Die Bilder sind ab sofort in der Galerie verfügbar, danke an Thomas für die vielen Schnappschüsse. In Originalgröße bekommt ihr die Bilder auf Anfrage per Mail.
Langbericht Laguna Seca:
Am 10.06. gab es die Mitteilung der FIM, dass das Rennen bestätigt sei und statt findet. Dies war recht kurzfristig, zu diesem Zeitpunkt war noch nichts geklärt. Erst Anfang Juli gab es dann die Bestätigung, dass der Transport über die Dorna organisiert wird und wir unsere Motorräder nur bis zum Sachsenring bringen müssen.
Von der FIM bekamen wir eine Transportkostenunterstützung, die in meinem Fall ausreichen sollte, um das Motorrad mit Material in einer von Bike-Promotion zur Verfügung gestellten Box kostenfrei in die USA und zurück zu schicken.
Christian Woitek machte mir mit einer extra Unterstützung die Teilnahme erst möglich.
Der Wunsch von Thomas noch eine Woche Urlaub dranzuhängen machte bei so einer weiten Reise Sinn, also begann die Suche nach einem Wohnmobil, so kurzfristig, mitten in der Hauptsaison war das nicht einfach.
Am 05.07. fanden wir dann endlich eins in Los Angeles, also buchten wir am gleichen Abend die Flüge bei Ticket-Point.de mit denen wir bei unserem Besuch in Japan 2008 gute Erfahrungen gemacht hatten. Die Flugpreise unterschieden sich nicht von den Preisen die wir direkt bei den Airlines angeboten bekamen.
5 Tickets bei Delta Airlines schlugen mit ca. 5.000 Euro zu buche, ich entschied mich für Ticket-Point.de um nicht direkt bei einer amerikanischen Airline nach amerikanischen Recht mit Kreditkarte bezahlen zu müssen.
Am 07.07. erhielt ich die Bestätigung und die Rechung von Ticket-Point.de.
Die Vorbereitungen am Motorrad mit dem Umbau von LiFePo4 auf LiPo Akkus verliefen schleppend, nur durch die enorme Mithilfe von meinem Opa war es überhaupt möglich, dass das Motorrad bis zum 17.07. fertig wurde; an diesem Tag wollten Thomas und ich die gefüllte Transportbox zum Sachsenring bringen.
Die geplante Probefahrt in Alkersleben wurde täglich auf den nächsten Tag verschoben, doch am 15.07. war es dann endlich soweit. Etwas spät aber rechtzeitig genug machten wir uns auf nach Alkersleben.
Es geschah der erste richtige Aufreger Nummer 1, beim Einladen meiner Kombi stellte ich fest, dass diese nicht dort war, wo sie hin gehörte. Nach langem Suchen stellte ich fest, dass ich sie beim letzten Test in Oschersleben in der Box hab hängen lassen (soll ja mal vorkommen
). Zum Glück erreichte ich Andy Glänzel, er teilte mir kurze Zeit später mit, dass meine Kombi in der Nähe von Hannover bei Wellbrock Honda hängt. Noch auf dem Weg nach Alkersleben konnte ich alle Details klären, die Kombi sollte mir Montag bis 12 Uhr per Express zugestellt werden. Also alles im grünen Bereich.
Test in Alkersleben
Grün war auch meine alte, erste Kombi, die für den Test in Alkersleben herhalten musste. Der Zweitteiler in Gr. 46 aus dem Jahre 2002 ist von der Schrumpflederkrankheit befallen und war entsprechend eng.
Der Test verlief sehr erfolgreich, alles funktionierte besser als vorher, die Akkus machten das Motorrad nun zu einer richtigen Rennmaschine.
Kurz nach der Abfahrt informierte ich Sebastian telefonisch über den erfolgreichen Test. Er teilte mir mit, dass Ticket-Point.de telefonisch nicht erreichbar gewesen sei, die Internetseite Offline war und er noch Fragen zum Ticket hatte. Scherzhaft sagte ich noch: “Hoffen wir mal, dass der Laden nicht pleite ist.”
Zuhause angekommen befragte ich google.de nach “Ticketpoint pleite”, Aufreger Nummer 2 schlug mit voller Wucht zu, als ich lesen musste, dass meine scherzhafte Bemerkung bittere Realität geworden war.
Telefonisch erhielt ich von Delta Airlines die endgültige Bestätigung, dass es für uns keine bezahlten Tickets gäbe. Man gab mir die Telefonnummer von Conso.de, über diesen Consolidator (was dass auch immer ist), wurde mir ein neues Angebot für 5 Tickets von KLM im Wert von 5.244 Euro gemacht. Vier Tage vor Abflug war dies ein richtiges Schnäppchen. Nur wo bekommt man innerhalb von 24 h diesen Betrag her? Machte es überhaupt noch Sinn in die USA zu fliegen? Hatte ich überhaupt noch Lust dazu?
Charles Hennekam von der FIM schilderte ich unsere Situation und bereitete ihn auf die mögliche Absage vor, er bot mir völlig unbürokratisch an, die Kosten für die Tickets vorzustrecken und sofort zu begleichen.
Thomas wusste zu diesem Zeitpunkt noch nichts von unserem “Glück”, ihn erreichte ich erst spät am Abend. Wir trafen uns bei der Polizei in Arnstadt und gaben die Anzeige auf.
Aufreger Nummer 3
Am späten Donnerstag Abend musste ich lesen, dass Rainer Kopp, Fahrer von Münch Racing Team von seinem Team für das Rennen in Laguna Seca freigestellt wurde. Zwei Tage vor dem Abflug in die USA teilte man ihm schriftlich mit, dass ein anderer Fahrer seinen Platz einnehmen wird. Rainer ist ein wahnsinnig toller Kerl und sau schnell noch dazu (5x deutscher Seriensportmeister).
Rainer tat mir fürchterlich leid, hatte er im Gegensatz zu mir wirklich keine Chance an diesem vielleicht einmaligen Event teilzunehmen. Die Begründungen des Teams waren absolut unverständlich, was den Ärger umso größer machte.
Fairplay sieht anders aus!
Freitag – bis 19 Uhr müssen die Tickets bezahlt sein
Am Freitag morgen wachte ich auf und hatte die Veranstaltung für mich abgehakt. Dieser Rückschlag war zu hart – und zu teuer. Thomas war anderer Meinung; wir entschieden uns, das Wochenende abzuwarten.
Nach unzählig vielen Telefonaten fuhr ich wie geplant um 13 Uhr zur IHK nach Suhl, um das Carnet ATA (wichtig für die Zollabwicklung) abzuholen. Der zuständige Mitarbeiter war äußerst nett, alles klappte perfekt.
Meine Motivation war zurück, nur quälte mich immer noch die Frage wie wir die Tickets bezahlen sollen. Am Sachsenring im Rahmen des MotoGP Rennens sollte es am Samstag Gespräche mit potentiellen Sponsoren geben, Erfolgschancen waren jedoch nicht abzusehen.
Um 18 Uhr entschied ich mich auf das Angebot der FIM einzugehen, der Zeitraum für die Rückzahlung wurde vereinbart (zu diesem Zeitpunkt war mir jedoch nicht klar, wo das Geld herkommen sollte
)und der Kontakt zwischen der FIM und Conso.de hergestellt. Um 18.57 Uhr waren die Tickets per Kreditkarte bezahlt und ich hatte Schulden in Höhe von 5.244 Euro bei der FIM.
Mein Opa hatte in der Zwischenzeit am Motorrad weiter gearbeitet und die letzten Details erledigt.
Samstag – Transport zum Sachsenring
Am Samstag Nachmittag machten wir uns dann auf zum Sachsenring und gaben das Motorrad zum Transport in die USA ab. Die Abwicklung verlief erfolgreich und unproblematisch.
Bei X-Lite hatten wir reichlich Spaß und genossen das gute Essen. Marco Apel hat mich ja schon mit dem besten Helm, der derzeit zu haben ist, versorgt und stellte mir nun Andreas Kurch von Kurch-Solar vor, von beiden bekam ich die Zusage zur Übernahme von einem Teil meiner Schulden.
Das finanzielle Fiasko schien auszubleiben und ich entschied, dass alles schön werden sollte.
Montag – Aufreger Nummer 4
Wenn Du auf ein Paket wartest, dann kommt es nicht.
Liebes Unternehmen DHL Express, wenn man sich auf euch verlässt, ist man verlassen!
Es war nun Montag 12 Uhr und? Genau, nichts, kein Paket. Einige Telefonate später war klar, dass das 30 Euro teure und am Freitag abgeschickte Express Paket mich an diesem Tag nicht mehr erreichen wird. DHL konnte mir nicht mal sagen, wo es war.
12 Stunden vor unserer Abfahrt nach Frankfurt stand ich ohne Lederkombi und Rückenprotektor da. Zum Glück gab es in Erfurt noch genau eine Einteilerkombi in meiner Größe, dass diese dann blau war interessierte mich nicht wirklich. Weitere ungeplante 670 Euro gingen über den Tresen; also nicht ganz, wie durch ein Wunder erhielt ich die 0% Finanzierung über 12 Monate und alles war schön.
Dienstag-Donnerstag
Die Anfahrt zum Flughafen, die Flüge, die Ankunft in den USA, die Übernachtung im Hotel, alles klappte wie geplant.
Mit dem Wohnmobil, das über einen völlig ökologischen und ökonischen 6.8 l V10 Ford Benzin Motor mit 3-Gang Automatik und Overdrive (auf so eine bescheuerte Idee können nur Amerikaner kommen) verfügte machten wir uns Mittwoch Mittag auf die 500 km weite Reise nach Laguna Seca. Im Schnitt 25 l (od. wie der Ami zu sagen pflegt, 16,4 mpg – Meilen (1,6 km) pro Galone (3,8 l)) flossen bei ruhiger und zurückhaltender Fahrt durch die Brennräume. Bei Vollgas am Berg fühlte ich mich wie Michael Schumacher in der Zeit der V10 Motoren in der Formel 1, die Automatik schaltete bei 60 Mph (96 km/h) teilweise bis in den ersten Gang und der “Formel1- Wagen” mit 6 Schlafplätzen, Küche und Bad schoss nach vorn als ginge es um den Titel der WM 2010. Die ewig lange Übersetzung der anderen Gänge bremste den V10 am Berg extrem aus und machte eine andere Fahrweise nahezu unmöglich.
Willkommen in Amerika!
Im Land der großen Freiheit sollte man bei der Auswahl des Mietwagens vor allen Dingen auf eins achten – Bodenfreiheit! Quer durch Europa sind wir schon gefahren, aber so schlechte Straßen wie rund um Los Angeles und auf dem Weg nach Laguna Seca habe ich selbst auf dem Weg zum Pannonia-Ring noch nicht gesehen.
Gegen21.30 Uhr – kurz vor Schliessung – erreichten wir nach einer kurzen Irrfahrt dann endlich das Fahrerlager. Florian erwartete uns bereits.
Die erste Nacht war kurz und kalt, der Nebel am frühen Morgen war dicht und feucht.
eine Runde Laguna Seca
Zu Fuss im Laufschritt erkundete ich die Strecke aller Strecken. Anders als gedacht ist die Strecke sehr breit, etwas schmaler als LeMans aber deutlich breiter als Albacete. Eine richtige Start-Ziel gerade gibt es nicht, es ist eher eine extrem langgezogene Kurve die über eine Kuppe geht. Die ersten beiden links Kurven sollte man gleich in einem Zug durchfahren; richtet man sich hier auf und winkelt erneut ab, ist man definitiv viel viel zu langsam. Kurve 3 ist anspruchsvoll, da man den Ausgang nicht sieht; hier sollte man extrem spät nach rechts einlenken. Kurve 4 ist das Gegenteil von Kurve 3, hier kann man sehr früh ans Gas (od. an den Strom) gehen, die Strecke ist an dieser Stelle extrem breit.
Es folgen 2 Linkskurven: Kurve 5 ist gut einsehbar und überhöht, hier beginnt der Weg zum Gipfel von Laguna Seca. Obwohl ich gut zu Fuss unterwegs bin (Halbmarathon in 1:27h) wurde ich hier recht langsam, der Anstieg ist steil, und ich machte mir vorab Sorgen ob ich da überhaupt hoch kommen werde. Viel Schwung sollte man hier mitnehmen, sonst geht es den Berg rückwärts wieder runter.
Hat man den ersten Berg geschafft kommt man zu Kurve 6. Diese sieht man erst, wenn man schon fast dran vorbei ist; der Berg macht eine kurze Pause und direkt nach der Links, die nur ein paar Zentimeter vom Curb mit fiesen Bodenwellen übersäht ist, türmt sich der nächste Anstieg auf. Hier bleibe ich fast stehen, der Höhenunterschied beträgt unglaubliche 91 m, das sind 18 m mehr als in Brno (CZ) bei deutlich kürzerer Strecke.
Auf dem Berg angekommen wird man von einem leichten Rechtsknick erwartet an dem direkt im Anschluss die legendäre Corkscrew anknüpft, die Links-Rechts-Korkenzieher-Kurve ist weltweit einmalig.
Zu Fuss habe ich die flache linke Seite am Streckenrand genutzt. Der rechte Rand, dort wo 2008 Casey Stoner von Valentino überholt wurde, ist so steil, dass man gut auf seine Füße aufpassen sollte.
Bis zur nächsten Linkskurve (9) ist man durch das extreme Gefälle auch mit einem leistungsschwachen Motorrad recht schnell, die Links ist extrem lang, hier lassen es sogar MotoGP Fahrer rollen.
Kurve 10 ist gut einsehrbar und leicht überhöht, die abschliessende Kurve 11 ist extrem langsam, hier muss man viel Schwung mit auf den Start-Ziel-Bogen nehmen.
Nach knapp 21 min. war ich einmal rum und hatte mächtig Respekt.
Im Laufe des Donnerstags nahmen wir die Motorräder in Empfang, absolvierten die Technische- und Papier-Abnahme.
Ein Auszug der Wiegung vom Donnerstag:
- epo-bike 108,7 kg
- Betti`s ca. 165 kg
- Thijs de Ridder ca. 180 kg
- Münch Racing ca. 225 kg
- MotoCzysz ca. 240 kg
Am Donnerstag freute ich mich ganz besonders Rainer zu sehen, die FIM hatte ihm das Motorrad eines amerikanischen Studenten vermittelt der keinen Fahrer mit entsprechender Lizenz hatte. Die umgebaute Suzuki GS 500 kam leider erst Freitag morgen im Fahrerlager an.
Freitag 1. freies Training
Da wir für Laguna Seca nur ein freies Training, ein Qualifying und das Rennen hatten musste jede Session optimal laufen.
Um die richtige Übersetzung zu finden blieb also nicht viel Zeit, der Kompromiss zwischen Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung musste stimmen.
10 problemlose Runden konnte ich fahren, sieht man vom Ausflug ins Kiesbett von Kurve 3 einmal ab. Die Strecke konnte ich mir langsam einprägen und die Corkscrew machte unheimlich viel Spaß.
Zum Schluss stand eine Zeit von 2:00 min. und Platz 5 von 11 Teams auf dem Papier. Zur Spitze fehlten 9 Sekunden, der Heimvorteil und die Streckenkenntnis waren jedoch nicht zu unterschätzen.
Wir entschieden uns zwei weitere Akkupakete einzubauen, da die Drehzahl und Höchstgeschwindigkeit zu gering waren. Der Umbau klappte ohne Probleme und Sebastian und ich konnte am späten Abend ein funktionstüchtiges Motorrad in den Truck stellen.
Gegen Ende des Qualifyings wollten wir dann noch eine längere Übersetzung ausprobieren.
Samstag – Aufreger Nummer 5
Nach dem positiven Auftakt ging ich voll motviert mit zwei Akkupacks “extrapower” ins Qualifying, das Motorrad fühlte sich klasse an. Die Strecke konnte ich mir durch einen zweiten Lauf am morgen noch etwas besser einprägen.
Noch in der ersten Runde wollte ich an Thomas Betti dran bleiben, doch nach Kurve 3 gab es einen mächtigen Schlag und der Vortrieb war vollkommen weg.
Das Motorrad schob ich durch das sehr weiche Kiesbett an die linke Streckenbegrenzung und machte mich zu Fuss auf den Weg ins Fahrerlager. Das Qualifying war gelaufen, ohne das ich auch nur eine Runde zu Ende fahren konnte.
Nach einiger Zeit des Wartens konnte ich mein Motorrad abholen, die Ernüchterung im Team war groß, als fest stand, dass sowohl Motor als auch Controller beschädigt wurden. Entsprechende Ersatzteile waren aus Budgetgründen natürlich nicht vorhanden. (Ein Lichtbogen im Motor, dessen Ursache wir noch suchen, zerstörte beide Teile nachhaltig)
Von Kenyon Kluge (Zero) kaufte ich kurzerhand einen Agni Motor zu einem sehr guten Preis, nur was sollte mit dem defekten Controller passieren? Richard Hatfield von Lightning Motorcycle bot mir an, zuhause nach einem passenden Controller zu schauen oder im Notfall am Sonntag morgen das Flat-Track-Motorrad seines Freundes zu schlachten.
Rainer Kopp konnte sich auf der umgebauten GS 500 des amerikanischen Studenten wie zwei weitere Mitstreiter leider nicht qualifizieren. Von 13 Startern trat Brammo leider gar nicht erst an, drei qualifizierten sich nicht und ein Mitstreiter hatte ebenfalls einen Motorschaden und musste für Sonntag die Segel streichen. Das Feld war reichlich dezimiert und umfasste nur 8 Starter. Luciano Betti konnte seinen defekten Motor durch einen Ersatzmotor ersetzen.
Zur Qualifikation reichte mir laut Reglement die Zeit aus dem freien Training.
Kurz nachdem ich die Augen zugemacht hatte klingelte das Telefon und ich bekam die ernüchternde Nachricht, dass leider kein passender Controller da sei, ich jedoch um 8 Uhr das andere Motorrad haben kann.
Sonntag – aus und vorbei?
Nach einer unruhigen Nacht mit wenig Schlaf war ich am Sonntag morgen gegen halb acht total am Ende, per SMS schrieb ich nach Hause, dass das Rennen gelaufen sei und ich auf Grund von Sicherheitsbedenken mit den neuen Komponenten nicht mitfahren werde. Keine zwanzig Minuten später informierte ich das Team, alle hatten Verständnis für die Entscheidung – Safety first!
Zwei Minuten später schob Richard Hatfield wie in der Nacht versprochen das Motorrad seines Bekannten zu mir, warum auch immer – ich fing mit Sebastian an, das Moped zu zerlegen um an den Controller zu kommen.
Die komplette Verkleidung, dutzende Kabel, der Heckrahmen und gar das Federbein mussten wir abschrauben und ausbauen bis der Controller endlich freilag.
Um 8.30 Uhr, genau 2 Stunden vor dem Start hielt ich den neuen Motor noch in den Händen, niemand im Fahrerlager hätte auch nur ein Handtuch darauf verwettet, dass wir pünktlich fertig werden.
Mein Controller lieferte maximal 400 Ampere, dieser hier war deutlich größer und lieferte maximal 1.200 Ampere. Er passte wie angegossen unter die Verkleidung, alle Kabel waren lang genug. Bedenken hatte ich nur, dass meine Kühlplatte zu klein sein könnte und der Controller deswegen an den entsprechenden Stellen zu warm werden würde.
Pünktlich 10 min. vor dem Start wurden wir fertig; die Übersetzung musste ich erraten, da der Agni Motor bei gleicher Spannung deutlich höher dreht, jedoch viel weniger Drehmoment hat. Den Controller programmierte ich auf 38 %, was der 100 % Einstellung von meinem alten Controller entsprechen sollte.
Zum Vorstart in der Boxengasse waren wir gerade pünktlich, der Marshall hob seine rechte Hand und machte diese typische Bewegung für “Ladies and Gentleman – start your engines”, ein Lachen unterm Helm konnte ich mir trotz all der Anspannung nicht verkneifen.
Die Besichtigungsrunde verlief ordentlich, die Übersetzung schien zu passen, es fehlt etwas Drehzahl, die Beschleunigung war o.k.. In der Startaufstellung programmierte ich den Controller Richtung mehr Topspeed und weniger Beschleunigung.
Lautlos setzte sich das Feld für die Warmup-Runde in Bewegung, die Zuschauer beklatschten das lautlose Spektakel. Gegen Ende der Warmup-Runde zog ich das Tempo etwas an und bemerkte, dass das Setup deutlich schlechter war als im freien Training, da musste ich nun das Beste draus machen!
11.30 Uhr – Start zum Rennen in Laguna Seca
Vom Start kam ich im Gegensatz zu Albacete extrem schlecht weg, die Beschleunigung aus dem Stand war extrem mau, nach Kurve 3 konnte ich den Abstand halten und nach der Corkscrew bis zu Kurve 11 sogar leicht verringern.
Am Scheitelpunkt von Kurve 11, eingangs der Start-Ziel bemerkte ich dann, dass absolut kein Vorschub mehr vorhanden war, da ich bereits einige Meter nach links gerollt war entschloss ich mich neben der Boxenmauer fernab neben der Ideallinie anzuhalten und nach einem Eingang in die Boxengasse zu suchen. Das Rennen schien vorbei.
Ich überprüfte die Akkuspannungen mit dem Graphtec GL 800 Datenlogger und konnte keine Auffälligkeiten feststellen, das Schütz arbeitete normal, zu guter Letzt bootete ich den Controller neu und siehe da, es ging wieder vorwärts. Der Controller hatte sich in Folge der zu kleinen Kühlplatte zu sehr aufgeheizt und abgeschaltet.
Dies passierte in Runde 3 nach Kurve 3 ein weiteres mal, der Graphtec GL 800 Datenlogger zeigte mir zu diesem Zeitpunkt eine Motortemperatur von 82°C an, noch ok, jedoch kurz vor dem Limit von 90°C…
Zu diesem Zeitpunkt war ich auf Grund der beiden unfreiwilligen Stopps schon einmal überrundet worden. Das Ziel war nun, mindestens 7 der 9 Runden zu fahren um in die Wertung zu kommen. Auf den Geraden drosselte ich den Strom extrem und versuchte extrem viel Schwung mit durch die Kurven zu nehmen.
Mit absolut desolaten Rundenzeiten rettete ich mich kurz nach der zweiten Überrundung ins Ziel, Platz 8, 8 Punkte für die Meisterschaft waren die magere Ausbeute der anstrengenden Wochen zuvor.
Von allen anderen bekam ich Glückwünsche, hatte doch niemand damit gerechnet, dass wir es überhaupt noch schaffen, ich konnte mich leider nicht so recht freuen.
Gewonnen hat MotoCzysz vor Lightning , denkbar knapp erst 50 m vor dem Ziel wurden ich und Michael Barnes (da seine Akkus leer waren) von Michael Czysz eingeholt. Platz drei ging an Thijs de Ridder vor Thomas Betti, Matthias Himmelmann, Luciano Betti und Mike Hannas.
Das MotoGP verfolgte ich gelegentlich über den großen Turm in der Mitte vom Fahrerlager, ich nutzte die Zeit und baute den Leihcontroller wieder aus. Gegen 16 Uhr konnte wir das funktionstüchtige Motorrad zurück geben.
Die Transportkiste wurde fertig gemacht und am späten Abend verließen wir das Fahrerlager Richtung Süden.
Übernachten in der Wildnis – Amerika ist anders
Die Nacht zum Montag verbrachten wir mitten im Nirgendwo am Highway 1 nach ca. 50 km Berg- und Talfahrt auf einem einsamen Parkplatz direkt am Meer. Von Deutschland kennt man Schilder, die für die nächsten 4 km vor kurviger Straße warnen, in Amerika kann unter so einem Schild schon mal eine dreistellige Kilometerzahl stehen. Etwas über 100 km ginge es auf engster Straße die Klippen am Meer hoch und runter, weit und breit keine Menschenseele, auf 60 km Entfernung keine Tankstelle.
Montag fuhren wir bei anhaltend schlechtem Wetter bis 60 km vor Los Angeles wo mir klar wurde, dass die letzten Tage und Wochen zu anstrengend waren und ich einfach nur nach Hause wollte.
Zum Glück konnte ich am Dienstag den Flug umbuchen und mit Sebastian nach Hause fliegen.
Der Flug war holprig, aber kurzweilig, die Dunkelheit beim Flug gegen die Erdrotation nur kurz.
Der Jetlag machte mir bis Freitag noch Probleme, drei Tage machte ich die Nacht zum Tage und schlief tagsüber.
Aufreger Nummer 6
Nicht wirklich wichtig, aber doch passend…
In Frankfurt warteten wir an der Gepäckausgabe auf unsere Koffer. Ich wartete…
Doch kein Koffer kam, ich gab die Meldung am Schalter auf und erhielt meinen Koffer Freitag per DHL Express, pünktlich um 8 Uhr wie abgemacht, meine Kombi war übrigends auch wieder aufgetaucht. Dienstag 8 Uhr, als wir im Flieger nach Amsterdam saßen wurde sie zugestellt.
Danke an meinen Opa, Katja <3, meine Eltern und Familie, alle die Fans und Sponsoren, das Team sowie Charles Hennekam von der FIM für die unglaublich tolle Unterstützung und Aufmunterungen während der letzten Wochen.
Für Magny Cours am 11.09. wünsche ich mir ein paar Aufreger weniger, der Rest wird schon